
© dpa/Christian Charisius
Nach Bericht über sexuelle Belästigung: HSV-Aufsichtsrat hält Vorwürfe gegen Kuntz für „glaubhaft“
Zwei Mitarbeiterinnen sollen sich mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegen Stefan Kuntz beim HSV-Aufsichtsrat gemeldet haben. Nun äußern sich Verantwortliche des Fußballklubs erstmals öffentlich.
Stand:
Der Hamburger SV hat am Montag erstmals öffentlich Stellung zum Abschied von Sportvorstand Stefan Kuntz genommen. Im Dezember seien „Vorwürfe eines schwerwiegenden Fehlverhaltens“ gegen Kuntz vorgebracht worden, teilte der HSV-Aufsichtsrat mit. Nach sorgfältiger Prüfung mit Unterstützung externer Anwälte habe das Kontrollgremium die Vorwürfe als „glaubhaft“ eingestuft und die sofortige Trennung beschlossen.
Kuntz habe der Beendigung seines Vertrags zum 31. Dezember 2025 zugestimmt und sei dabei anwaltlich vertreten gewesen. Die Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber dem Aufsichtsrat habe er „trotz mehrfacher Angebote explizit nicht genutzt“, teilte der Aufsichtsrat mit.
Vor dem kommenden Spiel gegen Bayer Leverkusen am Dienstag beschäftigt das Thema auch die Mannschaft. „Natürlich haben wir darüber gesprochen beziehungsweise ist es dann auch in der Mannschaft irgendwie ein Thema. Wir haben es jetzt nicht noch mal explizit angesprochen“, sagte Trainer Merlin Polzin.
Sein Motto und das Credo seien aber auch, „dass wir uns auf die Dinge fokussieren, die wir beeinflussen können: Das ist die Arbeit auf dem Platz, das ist die Arbeit im Videoraum“, ergänzte Polzin.
Der Verein hatte den überraschenden Abschied des 63-Jährigen zum Jahreswechsel zunächst mit „persönlichen familiären Gründen“ begründet. Nun erklärt der Aufsichtsrat, man habe die Angelegenheit „zum Schutz der Betroffenen bislang diskret und rücksichtsvoll behandelt“. Erst aufgrund eines Social-Media-Posts von Kuntz und eines Berichts der „Bild“-Zeitung sehe man sich zu einer Stellungnahme veranlasst.
Vorwürfe sexueller Belästigung durch Mitarbeiterinnen
Nach Informationen der „Bild“ soll Anfang Dezember eine Mitarbeiterin den Aufsichtsrat darüber informiert haben, sie habe sich durch Äußerungen von Kuntz sexuell belästigt gefühlt. Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen sollen dies laut „Bild“ bestätigt haben.
Der Aufsichtsrat habe daraufhin eine externe Kanzlei mit der Prüfung beauftragt. Im Zuge der Befragungen sei eine zweite Mitarbeiterin genannt worden, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben soll. Beide Frauen hätten laut Umfeld des Vereins als glaubwürdig gegolten. Inzwischen gebe es Hinweise auf weitere Betroffene, schreibt die Zeitung.
Kurz nach Eingang der ersten Meldung soll Kuntz Anzeige gegen Unbekannt wegen Stalkings erstattet haben. Nach seinen Angaben habe er seit dem Sommer anonyme Nachrichten erhalten. In der Woche vor dem letzten HSV-Spiel des Jahres soll ein Teil des Aufsichtsrats Kuntz mit den Vorwürfen konfrontiert haben.
Kuntz weist Anschuldigungen zurück
Am Sonntag hatte sich Kuntz selbst öffentlich geäußert. In einer Erklärung auf seinem Instagram-Profil erklärte er, die Anschuldigungen träfen ihn „hart“, zugleich wies er sie „entschieden“ zurück. Die Vorwürfe seien seiner Darstellung nach „falsch“. Er habe „im Sinne meiner Familie und aller mir nahestehenden Personen“ Anwälte eingeschaltet, die gegen aus seiner Sicht unbegründete Anschuldigungen und Vorverurteilungen vorgehen sollen.
Der HSV-Aufsichtsrat bezeichnet diese Darstellung nun als „klar unzutreffend und irreführend“. Die Vorwürfe einer „Verleumdungskampagne“ gegen Kuntz seien unbegründet. Der Verein betont, man dulde „unabhängig von der betroffenen Hierarchieebene kein Fehlverhalten der hier in Rede stehenden Art“ und bekenne sich zu den Werten der Toleranz und des Respekts. Der Schutz der Persönlichkeitsrechte der betroffenen Personen stehe im Vordergrund.
Kuntz war als Spieler Deutscher Meister, Pokalsieger und Europameister. Später arbeitete er unter anderem als Vorstandsvorsitzender in Kaiserslautern und gewann als Trainer der deutschen U21 zwei EM-Titel. Nach einer Station als Nationalcoach der Türkei wechselte er 2024 zum HSV. Unter seiner sportlichen Leitung gelang dem Klub die Rückkehr in die Bundesliga.
Die vereinsinternen Prüfungen sollen laut „Bild“ fortgesetzt werden. (Tsp)
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid: